Auf dieser Seite erfahren Sie mehr über den europäischen Gedanken des Heiligen Korbinian sowie Freisings enge Städtepartnerschaften in ganz Europa.

Feierstunde 30 Jahre Städtepartnerschaft Arpajon (November 2022)

Er ist klein und unscheinbar, liegt auch etwas verborgen, ist eine etwas versteckte Idylle: der Arpajon-Garten an der Bahnhofstraße. Benannt ist er nach der rund 11.000 Einwohner zählenden, 30 Kilometer südlich von Paris gelegenen Gemeinde, die als Geburtsort des Heiligen Korbinian gilt. Arpajon also, jene Stadt, von der aus sich der französische Wanderbischof aufmachte, um auch in Freising und damit in Bayern die Grundlagen für den katholischen Glauben und für ein Fürstbistum zu legen, das bis zur Säkularisation 1803 zahlreiche Besitzungen in ganz Europa hatte. Mit einigen dieser Gebiete und Orte unterhält Freising inzwischen ganz im Sinne eines geeinten und vereinten Europa Städtepartnerschaften. Und selbstverständlich auch mit Arpajon.

Nun ist die Städtepartnerschaft mit Arpajon allerdings nicht die älteste, wie man zunächst annehmen könnte. Erst am 5. Juli 1991 wurde die Verbindung zwischen Freising und Arpajon offiziell besiegelt. Seitdem finden regelmäßig Besuche von Delegationen beider Städte statt, Freisinger Abordnungen kommen meist und gerne zur jährlichen Bohnenmesse nach Arpajon, einer bekannten Landwirtschaftsausstellung mit zahlreichen regionalen Köstlichkeiten. Abordnungen aus Frankreich sind regelmäßig zu Gast beim Korbiniansfest im November, werden beim Festgottesdienst vom Erzbischof von München und Freising auch stets in ihrer Landessprache begrüßt. Korbinian, neben Maria der Namenspatron des Freisinger Doms, ist also das Band, das Freising und Arpajon verbindet, er ist der Mann, der auf dieser Ebene die deutsch-französische Freundschaft nach dem Zweiten Weltkrieg festigt. Und so wurde das 25-jährige Partnerschaftsjubiläum im Jahre 2016 sowohl in Arpajon als auch in Freising groß gefeiert.

Indirekt auf die Ankunft des Heiligen Korbinian in Freising und die darauffolgende Bistumsgründung im Jahre 739 unter Bischof Bonifatius gehen die anderen fünf Städtepartnerschaften zurück, die die Große Kreisstadt Freising pflegt.

Besuch des Partnerschaftsvereins Arpajon (September 2023)

Die älteste von ihnen ist die mit der Marktgemeinde Obervellach im Kärntner Oberland, die bereits seit 1963 besteht. „Vellach“, wie es in einer Freisinger Tauschurkunde aus der Zeit von Bischof Abraham (von 957 bis 994 Fürstbischof in Freising) heißt, mit der der Freisinger Herrscher unter anderem Güter in Obervellach erwarb, feierte 1963 das 1000-jährige Jubiläum als Marktgemeinde. Freising übernahm die Patenschaft, die Obervellacher Straße im Nordwesten von Freising zeugt von dieser Verbindung.

Ebenfalls im heutigen Kärnten liegt Maria Wörth, eine Gemeinde am Wörthersee, mit der es seit 1978 eine offizielle Bürger- und Städtefreundschaft gibt. Die heute aus vier Ortsteilen bestehende Gemeinde gelangte wohl durch einen Tauschhandel in den Besitz des Fürstbischofs Arnold von Freising (reg. 875-883). Bischof Otto von Freising, so die Historie, erhob Maria Wörth um 1150 zu Propstei, was dem jeweiligen Propst in Wörth das Amt eines Freisinger Domherren verschaffte.

Und nochmal Österreich, genauer: Niederösterreich, noch genauer: Waidhofen an der Ybbs. Zu Füßen des Schlosses Rothschild liegt die Altstadt mit ihrer gut erhaltenen Bausubstanz aus dem 14. bis 18. Jahrhundert, die laut einer von Kaiser Otto III. unterzeichneten Schenkungsurkunde aus dem Jahr 996 dem Freisinger Bischof Gottschalk (reg. 994-1005) als Besitz übertragen wurde. Urkundlich erwähnt ist Waidhofen erstmals im Jahre 1186. Die 800-Jahr-Feier 1986 war Anlass, erste neue Kontakte zwischen Freising und der niederösterreichischen Stadt zu knüpfen, 2006 wurde in Waidhofen ein Freundschaftsvertrag unterzeichnet, 2008 bei einem Gegenbesuch der Delegation aus Niederösterreich in Freising die offizielle Städtepartnerschaft begründet.

Festakt zur 60-jährigen Städtepartnerschaft mit Obervellach

Ebenfalls in das Jahr 2008 zurück reicht die Gegenzeichnung des Partnerschaftsvertrags mit der Südtiroler Stadt Innichen in Freising, nachdem Ende 2007 der eine Teil des Vertrags bereits in der norditalienischen Marktgemeinde unterschrieben worden war. San Candido, wie der Ort im Pustertal auf Italienisch heißt, gehörte seit dem Jahr 783, als Atto von Scharnitz Bischof in Freising wurde, fast ununterbrochen bis zur Säkularisation zum Fürstbistum Freising.

Und dann ist da noch Skofja Loka im heutigen Slowenien (zu Deutsch: Bischoflack). Die Stadt, die von einer imposanten Burganlage überragt wird, wurde im Jahr 973 erstmals urkundlich erwähnt, als Kaiser Otto II. den Ort Stara Loka an Bischof Abraham von Freising übergab. Für 830 Jahre blieb Skofja Loka, eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte Sloweniens, im Besitz der Freisinger Fürstbischöfe.

Auch wenn sich der Blick der Freisinger Städtepartnerschaften auf die Vergangenheit richtet, ist es vor allem die Zukunft, auf der das Augenmerk liegt. Nicht mehr im Geist der Über- und Unterordnung, sondern auf Augenhöhe will man Brücken nach Südosteuropa, nach Frankreich, nach Österreich und Italien schlagen – ganz im Sinne des Heiligen Korbinian und seines Nachfolgers Bonifatius, die Europäer im besten und wahrsten Sinn des Wortes waren, von Frankreich und Britannien aus den Kontinent bereisten und so diesen Geist nach Freising brachten.

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