Auf dieser Seite erfahren Sie mehr über die Geschichte des Heiligen Korbinian und seine Verbindung zu Freising.

Korbinian – ein Heiliger zwischen Legende und historischer Wirklichkeit

Korbinian ist eine Gestalt aus der Frühzeit Bayerns. Das Land stand damals unter der Herrschaft der Agilolfinger-Herzöge und war bereits in weiten Teilen christianisiert. Um 700 begannen die Herzöge, ihren Herrschaftsbereich kirchlich zu organisieren und zu befestigen. Insbesondere sollten die Pfalzorte Regensburg, Passau, Salzburg und Freising mit Bischofssitzen ausgestattet werden. Für Freising wurde um 720 der Wanderbischof Korbinian gerufen, der dann für einige Zeit am Ort wirkte und der Überlieferung nach in Freising starb.

Woher wissen wir überhaupt etwas über Korbinian und seine Verbindung zu Freising? Die einzige frühe, dafür überaus farbige und ausführliche Quelle ist die „Vita Corbiniani“, die in lateinischer Sprache geschriebene Lebensbeschreibung Korbinians, die der 3. Nachfolger auf dem Freisinger Bischofsstuhl, Arbeo, um 770 verfasste. Arbeo hatte in Korbinian die starke und für das junge Bistum Freising wirksame Gründergestalt erkannt und förderte nach Kräften dessen Kult und Verehrung als Heiliger, so dass Korbinian allmählich die Rolle des Stadt- und Bistumspatrons zuwuchs.  

Korbinian und Freising

In der Vita Corbiniani mischt sich Historisches mit Legende. Sie steht in der Tradition älterer Heiligenviten, übernimmt daraus vorgefertigte Elemente, zeigt aber zugleich sehr individuelle Züge, nennt historisch belegte Persönlichkeiten wie den fränkischen Hausmeier Pippin oder den bayerischen Herzog Tassilo sowie geographisch identifizierbare Orte, zum Beispiel Rom, Pavia oder Trient.

Die Geschichtswissenschaft nimmt mehrheitlich an, dass der Wanderbischof Korbinian aus dem westfränkischen Raum, wohl aus der Gegend um Paris stammte. Die Vita erzählt von einem religiös tief inspirierten Mann, der auf der persönlichen Suche nach Gott und zugleich im Dienst der Kirche weite Reisen im west-, süd- und mitteleuropäischen Raum unternahm. Rom, Norditalien, der Alpenraum sowie Altbayern sind wichtige Stationen seiner Wanderungen.

Es sind vor allem zwei Orte, an denen man Korbinian in Freising bis heute besonders nahekommt. Da ist zum einen der mittelalterliche Dom auf dem Domberg, wo in der Krypta die Reliquien des Heiligen im goldenen Schrein aufbewahrt werden und wo im Hauptschiff der Kirche das große Freskenprogramm der Brüder Asam von 1724 Korbinian und seinen Lebensweg feiert.

Der andere Ort liegt auf dem benachbarten Weihenstephaner Berg, zu dem Korbinian nach der Vita Corbiniani eine besondere Beziehung pflegte. Während auf dem Domberg, auf dem die herzogliche Pfalz mit der Marienkirche stand, vor allem Politik und Intrige vorherrschten, war der Nachbarberg spiritueller Rückzugsort des Heiligen. Korbinian wirkt dort zwei besonders atmosphärische Wunder. Erzählt wird zum einen von einer Lichterscheinung im dort befindlichen Stephansheiligtum. Ein weiteres Wunder geschieht am Südabhang des Berges. Korbinian erweckt dort eine Quelle. Das vor fast 1300 Jahren beschriebene Korbiniansbrünnlein fließt noch heute und lädt zum Besuch ein.


Das Jubiläumsjahr und welche Bedeutung es für uns heute haben kann

1300 Jahre Korbinian in Freising – ein Grund zum Feiern! Wirklich?

Natürlich ist es schön zu wissen, dass wir auf 1300 Jahren Glaubensgeschichte unzähliger Frauen und Männer aufbauen können. Aber die Probleme und Herausforderungen unserer Zeit sind doch ganz andere als damals, oder? Abgesehen davon, dass Korbinian auch noch ein Heiliger war – diesen Zustand kann ich wahrscheinlich nicht erreichen, wozu also sich mit ihm beschäftigen außer aus historischen Gründen? Hat das für Menschen in Freising oder gar im heutigen Erzbistum München und Freising eine Bedeutung?

Es gibt keine überlieferte Schrift aus der Hand des Heiligen Korbinian, keine Stelle, von der mit Gewissheit gesagt werden kann, dass Korbinian hier war, keine Urkunde, die ihn ausweist. Aber wir haben die „Vita Corbiniani“ des Arbeo von Freising, der als dritter Nachfolger des Heiligen Korbinian Bischof von Freising war. Bald nach seiner Ernennung ließ er die Reliquien aus Kuens bei Mais/Meran nach Freising übertragen und verfasste in diesem Zusammenhang eine auch literarisch prägende Lebensbeschreibung, einen der frühesten im bayerischen Raum entstandenen Texte in lateinischer Sprache.

Was an dieser Heiligenbiographie deutlich wird: Da war ein beeindruckender Mensch in Freising. Einer, den man vermisste. An den man sich so sehr erinnerte und ihn bei sich haben wollte, dass es notwendig erschien, seine Reliquien aus seiner ursprünglich von ihm gewünschten Begräbnisstätte in Südtirol nach Freising zu übertragen.

Dabei geht es um einen Menschen, der mutig genug war, aus der Fremde aufzubrechen und sich auf eine lange, beschwerliche und gefährliche Reise machte. Der sich offenbar trotz aller sprachlichen Barrieren nicht nur verständigen, sondern auch begeistern konnte. Der Menschen zusammenführen konnte, damit sie miteinander etwas schaffen zum Wohl vieler. Korbinian war wohl ein Mensch, der sich auf die Menschen vor Ort, auf ihre Sehnsüchte und Bedürfnisse einlassen konnte und wollte. Durch ihn wurde Gott für die Menschen spürbar.

Was ihn getragen hat, können wir nur vermuten. Aber er hat seine Berufung und Sendung, die er in der Taufe empfangen hat, ernst genommen und vertraute auf Gott. Seine frohe Botschaft wollte er verkünden und nach ihr leben. Trotz aller Widrigkeiten. Er hat die Herausforderungen, die das Leben seiner Zeit an ihn gestellt hat, angenommen und pragmatisch gehandelt. Das Pferd wurde gefressen? Dann muss halt der Bär das Gepäck tragen. Das Leben als Eremit ist mir nicht vergönnt? Dann gründe ich eine Gemeinschaft, in der viele mittun. Korbinian hat verstanden, dass es nicht immer nach Plan A läuft, sondern dass auch Plan B eine gute Lösung sein kann, auch wenn es vielleicht nicht die Wunschlösung ist.

Wenn wir 2024 das 1300jährige Jubiläum feiern, dann geht es nicht um ein oberflächliches Jubeljahr mit einem pompösen Fest nach dem anderen. Es wird auch nicht das eine Highlight, den einen Höhepunkt, geben. Vielmehr soll das Jubiläumsjahr ein Glaubensjahr sein. Es soll einen Anstoß geben, darüber nachzudenken, wie „glauben leben“ heute aussehen kann. Im Motto zum Jubiläum ist es bewusst klein geschrieben, es geht ums aktive Tun. Als Verben drücken „glauben“ und „leben“ aus, dass es sich nicht um etwas statisches handelt, sondern um einen Prozess, der immer wieder neu beginnt und uns neu herausfordert. So wie eben Korbinian herausgefordert war, zu seiner Zeit, sein Glaubenszeugnis abzulegen. Heute sähe es wahrscheinlich anders aus, vielleicht wäre er auf sozialen Medien als christlicher Influencer unterwegs, wer weiß…

„glauben leben“ ist vielfältig und bunt, so wie wir Menschen eben auch unterschiedlich sind. Das drückt sich auch im Programm des Bistumsjubiläums aus. Alle Altersgruppen sind eingeladen, mitzufeiern, gemeinsam zu singen, zu beten, sich inspirieren und anregen zu lassen, um in ihrem Leben, in ihrem Alltag, Gott spürbar werden zu lassen und seine Botschaft weiterzugeben. Ob in gottesdienstlichen Feiern, in unterschiedlichsten musikalischen Angeboten und Stilrichtungen, in Vorträgen, Führungen oder Publikationen.

Wo Menschen sich begegnen, respektvoll und neugierig miteinander umgehen, gemeinsam an etwas mitwirken, da wird „glauben leben“ Wirklichkeit. Dabei können wir uns immer wieder rückversichern und in eine Reihe stellen mit den vielen Frauen und Männern, die zu ihrer Zeit ihre Antworten und Lösungen gefunden haben.

Das ist kein Auftrag nur für die hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger, sondern in unserem Verständnis für alle getauften Menschen. Daher liegt der Schwerpunkt des Jubiläumsjahres auf dem Sakrament der Taufe. Wir wollen daran erinnern, welche Bedeutung die Taufe hat, die Christinnen und Christen zu Prophetinnen und Propheten, Königinnen und Königen, Priesterinnen und Priestern macht, wie es bei der Salbung in der Taufliturgie heißt. Mit dieser besonderen Würde ist auch ausgedrückt: Wir haben eine besondere Verantwortung für Gesellschaft, Kirche und Welt, die wir auch wahrnehmen wollen. Mit Gottes Segen sind wir dabei auf dem Weg.

Immer wieder taucht die Frage auf, ob es angesichts der Krisen in der Welt, aber auch in der Kirche, überhaupt angemessen sei, ein Jubiläumsfest zu feiern. Als Fest der Selbstdarstellung sicher nicht. Aber wenn wir auf die vergangenen Jubiläumsjahre schauen: 1724, 1824, 1924 – dann waren das immer Jahre, die herausfordernd und schwierig waren. Trotzdem haben sich Menschen zusammengetan, um miteinander zu feiern. Verbunden waren sie durch das gemeinsam Erlebte. Das Wissen, einen gemeinsamen Grund zu haben und zusammenzugehören. Den Wunsch, Kraft zu schöpfen aus der Gemeinschaft. Der Hoffnung, Neues entwickeln zu können. Das alles können auch heute Beweggründe sein, um miteinander „1300 Jahre Korbinian in Freising“ zu feiern.

Weitere Informationen zum Jubiläumsprogramm der Erzdiözese München und Freising finden Sie unter: www.korbinian-in-freising.de.

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